Herbert Arlt (Wien)
Sprech- und Denkprozesse in kulturellen
Kontexten
Sprech- und Denkprozesse sind komplexe Vorgänge, für
deren Analyse-Richtung im Rahmen des Symposions Polyloge I
ein Bedürfnis vorformuliert wurde: "Wir brauchen eine
neue Synthese im Denken über Denken, Sprache und Kulturen".
Meinen Beitrag möchte ich weniger imperativisch mit einem
Zitat aus der Schrift von Heinrich Kleist eröffnen, deren
Titel lautet: "Über die allmähliche Verfertigung
der Gedanken beim Reden"(1). Kleists Vorschläge
in dieser Schrift scheinen ganz in die Richtung zu weisen, die
auch dem Organisator dieses Symposions, Arne Haselbach, wichtig
ist, der mir diese Schrift von Kleist für meinen Beitrag
ans Herz gelegt hat.
Ich beginne mit den ersten Sätzen dieser Schrift, die
deutlich machen, daß nach Kleists Auffassung die Ideen
durchaus beim Sprechen entstehen können: "Wenn du etwas
wissen willst und es durch Meditation nicht finden kannst, so
rate ich dir, mein lieber, sinnreicher Freund, mit dem nächsten
Bekannten, der dir aufstößt, darüber zu sprechen.
Es braucht nicht eben ein scharfdenkender Kopf zu sein, auch
meine ich es nicht so, als ob du ihn darum befragen solltest:
nein! Vielmehr sollst du es ihm selber allererst erzählen.
Ich sehe Dich zwar große Augen machen, und mir antworten,
man habe dir in früheren Jahren den Rat gegeben, von nichts
zu sprechen, als nur von Dingen, die du bereits verstehst. Damals
aber sprachst du wahrscheinlich mit dem Vorwitz, andere,
ich will, daß du aus der verständigen Absicht sprechest,
dich zu belehren, und so könnten, für verschiedene
Fälle verschieden, beide Klugheitsregeln vielleicht gut
nebeneinander bestehen." (S. 453.) Mit der Parodie eines
Erfahrungssatzes schließt Kleist diese Einleitung ab: "Der
Franzose sagt, l'appétit vient en mangeant, und dieser
Erfahrungssatz bleibt wahr, wenn man ihn parodiert, und sagt,
l'idée vient en parlant." (S. 453.)
Kleist kommt es also auf ein spezifisches Sprechen an.(2) Die Belehrung anderer ist zum Beispiel nach
seiner Auffassung nicht geeignet, Denken zu ermöglichen
bzw. zu befördern. Und wie wir sehen werden, sind es eine
ganze Reihe von Kommunikationsformen nach dieser Auffassung ebenfalls
nicht. Vor allem würde ich hier im Regelfall die Rhetorik
nennen. Und selbstverständlich würden auch unsere vorbereiteten
und reproduzierenden Beiträge darunter fallen.
Wesentlich ist hier auch, daß Zustände für
seine Überlegungen eine Rolle spielen. Wie wir sehen werden,
werden sie von Kleist als wichtige Elemente für die "Werkstätte
der Vernunft" (S. 454) angesehen. In ihrer Sozialität
bestimmt nach Kleist ganz offensichtlich aber anderes wesentlich
den Denkprozeß. Und ich werde hier Kleists Beispiele wiedergeben,
die fast alle mit Macht, Umgang mit Macht bzw. mit Bildung als
Macht zu tun haben, um gerade auch auf diese Sozialität
einzugehen.
Sein erstes konkret ausgeführtes Beispiel ist das Reden
in Anwesenheit seiner Schwester (gewissermaßen die Darstellung
einer Selbsterfahrung). Gerade in diesem Kontext wird der Gemütszustand
als Faktor eingeführt: "[...] denn mein ohnehin schon
angestrengtes Gemüt wird durch diesen Versuch von außen,
ihm die Rede, in deren Besitz es sich befindet, zu entreißen,
nur noch mehr erregt, und in seiner Fähigkeit, wie ein großer
General, wenn die Umstände drängen, noch um einen Grad
höher gespannt." (S.454.) Dieser Erregungszustand wird
auch in anderen Beispielen angeführt - und auch das Militär,
von dem zunächst unklar ist, warum ein Teil seines Personals
ausgerechnet als schweigende Statisten in führender Position
in die "Werkstätte der Vernunft" eingeführt
werden. (Und gerade im Zusammenhang mit einer schweigenden Frau,
durch die das Bild der Nicht-Kommunikation verstärkt wird.)
Im Zusammenhang mit der Schwester - und weiter in diesem Textabschnitt:
der Magd von Molière - werden klare Hierarchisierungen
deutlich. So unbefangen die Situation zunächst zu sein scheint,
so unangebracht die Einführung von Militärpersonal
ist, wird aber erst im Vergleich mit Molière deutlich,
daß hier nicht nur Anregung durch bloße Anwesenheit
entsteht, sondern die (schweigend) zuhörende Person auch
abgewertet wird: "[...] denn wenn er [Molière - H.A.]
derselben [der Magd - H.A.], wie er vorgibt,
ein Urteil zutraute, das das seinige berichtigen konnte, so ist
dies eine Bescheidenheit, an deren Dasein in seiner Brust ich
nicht glaube. Es liegt ein sonderbarer Quell der Begeisterung
für denjenigen, der spricht, in einem menschlichen Antlitz,
das ihm gegenübersteht [...](3)."
(S. 454.) Denn sosehr die Bedeutung des anderen Menschen in diesem
und anderen Fällen hervorgehoben wird, so ungleich sind
diejenigen, die in diesen Fällen zueinander in Beziehung
stehen.
Diese Ungleichheit unterstreichen die Beispiele zu Mirabeau
und Lafontaine. Das eine ist ein historisches Beispiel und das
zweite ein Beispiel aus der Fabelwelt. Das eine der Beginn der
Französischen Revolution, das andere ein Schulbeispiel der
Machtausübung. Und in beiden Fällen führt Kleist
vor, wie sich das Denken seiner Ansicht nach entwickelt habe.
Ich zitiere hier ausführlich den Nachvollzug der Denkentwicklung
von Mirabeau, nach dem der Zeremonienmeister in den Sitzungssaal
zurückgekehrt war und fragte, ob die Stände den Befehl
des Königs vernommen hätten, auseinander zu gehen:
"'Ja', antwortete Mirabeau, 'wir haben des Königs
Befehl vernommen' - ich bin gewiß, daß er bei diesem
humanen Anfang, noch nicht an die Bajonette dachte, mit welchen
er schloß: 'ja, mein Herr', wiederholte er, 'wir haben
ihn vernommen' - man sieht, daß er noch gar nicht recht
weiß, was er will. 'Doch was berechtigt Sie' - fuhr er
fort, und nun plötzlich geht ihm ein Quell ungeheurer Vorstellungen
auf - 'uns hier Befehle anzudeuten? Wir sind die Repräsentanten
der Nation.' - Das war es was er brauchte! 'Die Nation gibt Befehle
und empfängt keine' - um sich gleich auf den Gipfel der
Vermessenheit zu schwingen. 'Und damit ich mich Ihnen ganz deutlich
erkläre' - und erst jetzo findet er, was den ganzen Widerstand,
zu welchem seine Seele gerüstet dasteht, ausdrückt:
'so sagen Sie Ihrem Könige, daß wir unsere Plätze
anders nicht, als auf die Gewalt der Bajonette verlassen werden.'
- Worauf er sich, selbst zufrieden, auf seinen Stuhl niedersetzte."
(S.455.)
Hier haben wir wieder die Gewalt des Militärs, aber in
diesem Falle den zivilen Widerstand in aller Klarheit und die
Formulierung einer Legitimierung die im Begriff "Nation"
gipfelt. Auch hier - wie in anderen Beispielen - ist die Wiederholung
beim Sprechen typisch. Und in Verbindung der Art des Sprechens,
die einen (sich wiederholenden) Anlauf nimmt und in einem Begriff
gipfelt kommt ein Gemütszustand am Schluß, der eine
Übereinstimmung von "Zustand" und Sprechen durch
Zufriedenheit zum Ausdruck bringt. Neu ist der "Quell der
Vorstellungen" (S.455). Durch die Einführung des Begriffs
"Vorstellungen" werden die Wechselbeziehungen von Sprache
und Denken und Gemüt um ein wesentliches Moment erweitert.
Das wird auch in der Fabel von Lafontaine nicht variiert,
wenngleich die Situation sich ändert. In diesem Falle ist
es aber kein Widerstand, dem historischer Respekt entgegengebracht
werden könnte (und sei es mit dem Substantiv "Vermessenheit"),
sondern eine Gemeinheit, indem ein anderer durch die Kunst der
Sprache der Vernichtung preisgegeben wird.
Gerade mit Vorstellungsbildungen und Gemütszuständen
klingen auch die Überlegungen "Über die allmähliche
Verfertigung der Gedanken beim Reden" aus: "Wie notwendig
eine gewisse Erregung des Gemüts ist, auch selbst nur, um
Vorstellungen, die wir schon gehabt haben, wieder zu erzeugen,
sieht man oft, wenn offene, und unterrichtete Köpfe examiniert
werden..." (S. 458.) Das Gemüt muß laut Kleist
zunächst vorbereitet werden: "Denn nicht wir wissen,
es ist allererst ein gewisser Zustand unsrer, welcher
weiß." (S.458.)
Ansonsten ist der Misserfolg gewiß - nicht nur der Prüfung,
sondern eigentlich auch des Bildungswesens, das sich auf solche
Methoden stützt.
Der kulturelle Kontext für das Sprechen und Denken ist
jedoch breiter und höher als die Macht mächtig ist.
Und obwohl mit Kleist ein Einstieg in das Thema gewählt
wurde, der die Bedeutung der Macht und des Bildungswesens (in
enger Verbindung mit Ersterem) auch für die Kultur hervorhebt,
versuche ich zudem andere Aspekte zu berücksichtigen - die
Vielfalt und Komplexität der Kulturen, die Instrumentalisierung
von Sprachen in gesellschaftlichen Prozessen, die Repräsentativität
der Vielsprachigkeit, transkulturelle Kommunikation (wobei nicht
nur in diesem Zusammenhang Überlegungen zum Polylog vorgetragen
werden) und nicht zuletzt die Bedeutung der Literatur für
unsere Überlegungen, wobei ich versuchen werde, mich in
jedem Fall auf konkrete Beispiele zu beziehen.
Ich beginne mit einem Beispiel von einem Prozeß, der
einen Polylog geradezu erforderlich macht: der Europäische
Union.
1. Vielfalt und Komplexität der Kulturen
Es sind Gruppen von Personen, die für die Konstituierung
der Europäischen Union verantwortlich waren und die anders
als Mirabeau ihre Texte nicht angesichts von Bajonetten formulierten,
aber angesichts von bitteren Erfahrungen, die zeigten, daß
die Nationalstaaten eben nicht jenes Mittel waren, das mit der
Zurückdrängung oder Zerschlagung der Feudalherrschaft
auch den Frieden gebracht hätte. Die Nationalstaaten ihrerseits
wurden zur "Quelle" von Kriegen. Aber die Personen,
die nach der Befreiung vom Nationalsozialismus sich über
Grenzen von Nationalstaaten hinweg zu neuen Formen von Kooperationen
entschlossen, konstituierten ebenfalls ein neues Recht in vielen
Sprachen. Doch auch wenn Bajonette keine und Frauen langsam eine
größere Rolle spielten - das Schweigen im Angesicht
der RednerInnen, die Examinierungen, die Versuche der Dominanz
sind geblieben. Weiters aber auch ein Mißtrauen gegenüber
Gemütszuständen, die offensichtlich so produktiv in
jedem Fall nicht waren.
Es gibt aber nach wie vor auch den Blick über die Grenze.
So sind alle Beispiele zu Macht und Sprache von Kleist aus der
französischen (Kultur-)Geschichte gewählt, während
die Examinierung sich wohl auf das zersplitterte Deutschland
bezieht und von Kant immerhin die "Hebeammenkunst der Gedanken"
(S.458) zitiert wird.
Und gerade dieser Blick hat sich über einen doch längeren
Zeitraum als produktiv erwiesen und erweist sich auch heute noch
so. Aber der Kontext ist vielfältiger und tatsächlich
auch wesentlich komplexer. Er umfaßt zunächst einmal
die Notwendigkeit, sich einer Sprache so bedienen zu dürfen,
daß die Gedanken auch verstanden werden. Was nutzen die
besten Gedanken, die vielfältigsten Vorstellungswelten,
wenn fehlende Sprachkenntnisse einen Zugang zu diesen Wissenswelten
verunmöglichen? Und es waren doch gerade die Versuche, eine
gemeinsame Sprache für größere Gemeinschaften
bzw. Märkte zu finden, die für den Widerstand gegen
die Feudalherrschaft wichtig waren. Und welch große Rolle
hat in den letzten Jahrhunderten die Übersetzungsliteratur
gespielt - gerade auch im Verhältnis Frankreich und Deutschland.
Interessant ist in diesem Falle, daß eine Studie für
das Europäische Parlament(4), für
die das INST (www.inst.at) tätig war, zeigt, daß zum
Kontext der Verfertigung von Gedanken keine Strategie vorhanden
ist, sondern nur zur Reproduktion, zu den Feldern der Examinierung
(eben diese Reproduktion betreffend). Zwar wird (im kleinen Rahmen
von Eliten) der Austausch durchaus gefördert und damit auch
die Möglichkeit, miteinander nicht nur ins Gespräch
zu kommen, sondern auch Gedanken zu entwickeln. Aber eben gerade
nicht auf dem Gebiete der Kulturen in einem polylogischen Sinne,
der Synthesen als neue Entwicklungsschritte einschließt.
In diesem Kontext ist das akzeptierte Nebeneinander, die vielfältig
praktizierte Übersetzung zwar ein großer Schritt nach
vorne im Vergleich zu den Denunziationen, Herabwürdigungen,
Instrumentalisierungen für die Gewalt in der Vergangenheit,
aber für eine gemeinsame Zukunft zu wenig. Denn längst
haben nicht nur Finanztransaktionen, Märkte usw. in der
Europäischen Union kaum mehr Grenzen, sondern auch Lebensweisen
sind längst grenzüberschreitend geworden. Es sind aber
meist fremdbestimmte Lebensweisen, die kaum eine Möglichkeit
für eigene Kreativität aufweisen. Und gerade die eigene
Kreativität, die Bedeutung des Alltags, die Gefühle
waren vor allem in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts
mehr und mehr entdeckt worden.
Denken zu entwickeln, die Möglichkeiten zu bekommen bzw.
sich auch zu nehmen, steht im Kontrast zu einer Reihe von (rückwärtsgewandten/nationalen)
politischen Entwicklungen, die Lebensformen aus dem agrarischen
Bereich bzw. der Industrieproduktion gerade heute auf Wissenschaften,
Künste, Bildung usw. übertragen sehen möchten,
um so über Staatsmaßnahmen wiederum Disziplinierung
zu erreichen.
Hier stehen in der Europäischen Union noch Grundsatzdiskussionen
aus, die gerade im Zusammenhang mit dem Grundkonvent geleistet
werden könnten. Und den Diskussion müßten neue
Rahmenbedingungen folgen.
2. Die Instrumentalisierung von Sprachen
In der Herausbildung von Nationen waren die Sprachen wichtige
Instrumente. Und die Antworten, die in Handel, Philologien, Recht,
aber auch Theologie, Medizin usw. in den jeweiligen "nationalen"
Sprachen gegeben wurden, werden als Einschnitte in "europäischen"
Geschichtsbüchern hervorgehoben.
Wie negativ ihre Instrumentalisierung ist, zeigt das Drama
"Die Hermannsschlacht" von Kleist(5),
das von den Nationalsozialisten dazu benutzt wurde, um die Kommunikation
mit "dem Feind" zu präfigurieren. Andere durch
Sprache zu täuschen oder in Situation zu bringen, in denen
Sprache nicht der Situation entspricht, wird in diesem Drama
exemplarisch vorgeführt und erscheint als Heldentat. Alles
wird dem Machtziel untergeordnet und die Täuschung ist das
wichtigste Mittel.
Auch die Übersetzung hatte eine ihrer Ursprünge
in der Machtpolitik(6). Und gerade heute wird
in diesem Sinne argumentiert, wenn es um den Erhalt von sogenannten
"Orchideen-Fächern" geht.
Heute noch sind die Sprachen also oft wichtige Instrumente
in diesem negativen Sinne, wie eine Konferenz zum Thema "Nation,
Sprache, Literatur"(7) zeigte, die David
Simo gemeinsam mit dem INST in Yaounde (Kamerun) organisierte.
Gerade im Rahmen dieser Konferenz wurde betont, welch wichtige
Kenntnisse die Sprachen beinhalten. Zugleich wurde aber deutlich,
daß die bloße Verwendung einer bestimmten Sprache
von Bedeutung sei. Einige dieser Positionen waren: Erstens Beiträge
dazu, daß die Verständigung und die Kenntnisse im
Mittelpunkt stünden. Dafür sei Mehrsprachigkeit erforderlich.
Zweitens die Position, die einer kamerunischen Sprache (von denen
es - je nach Definition - 234 bis 295 Sprachen gibt) die Dominanz
eingeräumt werde (was allgemein von den Anwesenden in Yaounde
mit Gelächter quittiert wurde). Drittens die Position der
Ablehnung von Französisch, Englisch und Deutsch als imperiale
Sprachen (aber gerade in diesen Sprachen fand die Konferenz-Verständigung
statt, und ganz allgemein werden diese Sprachen für Handel,
Wissenschaft, Forschung, Künste usw. eingesetzt). Viertens
die Position, daß das Französisch und das Englisch
und das Deutsche in Kamerun nicht die Sprachen Frankreichs, Englands
(oder der USA) oder Deutschlands seien. Vielmehr würden
diese Sprachen im Sinne der kamerunischen Lebenswirklichkeit
adaptiert. Sie würden dadurch auch durchaus zu kamerunischen
Sprachen, die sich - ähnlich wie in Indien das Englische
- dazu eignen, eine allgemeine Kommunikationsbasis abzugeben
(aber auch in diesem Falle jeweils nur für einen Teil der
Bevölkerung, der in Kamerun derzeit bei maximal 30% für
die Verbreitung der von den Kamerunesen am meisten gesprochenen
Sprache - Französisch - liegen dürfte).
Wie wichtig die Kenntnis der afrikanischen Sprachen ist, zeigt
ein Beispiel von Simo, der für die "Enzyklopädie
vielsprachiger Kulturwissenschaften" einen Beitrag zum Begriff
"Kultur" in Ghom'ala(8), einer Sprache
Kameruns, schrieb. Die Verbreitung dieses Wissens ist gerade
dazu angetan, das Interesse zu wecken - und nicht nur unmittelbar
im Zusammenhang mit Sprachstudien, sondern alle Gebiete betreffend,
auf die diese Kenntnisse angewandt werden bzw. deren Abstraktion
diese Vorstellung beinhaltet.
Die Instrumentalisierung der Sprachen (zum Beispiel in Form
der Ablehnung bestimmter Sprachen) kann daher nicht als produktiv
angesehen werden. Viel mehr aber müßte getan werden,
um den kulturellen Reichtum erst zu entdecken. Gerade die Konferenz
in Yaounde hat gezeigt, daß das Miteinander Sprechen die
Situation geschaffen hat, in der solche Entdeckungen erst jenseits
der Reproduktion von Wissen ermöglichte und (nicht nur in
diesem Fall) zeigte, daß afrikanische Länder (immerhin
waren 10 vertreten) einiges an Wissen zu bieten haben.
3. Die Repräsentativität der Vielsprachigkeit
Gerade in den heutigen Wahlauseinandersetzungen in der Europäischen
Union beginnen die "Nationalsprachen" wieder eine Rolle
zu spielen. Ähnlich dem Esel in der Fabel von Lafontaine
soll jemand gefunden werden, der stellvertretend vernichtet werden
soll. Wer ist aber heute der "Löwe" (um diese
Metapher von Lafontaine aufzugreifen), der diese Handlung provoziert?
Die Europäische Union ist es mit Sicherheit nicht. Im Gegenteil:
ohne die Anerkennung der vielsprachigen Realitäten ist eine
Mitgliedschaft in der Europäischen Union nicht möglich.
Vielmehr sind es die Nationalstaaten, deren Institutionen in
vielfältigen Bereichen in einen Legitimationszwang kommen,
wodurch eine relative Instabilität entsteht. Nicht ein König
steht gegen die "Nation", sondern "Nationen"
haben noch jene Prozesse in einer Weise nicht ermöglicht,
die ein (kulturelles) Denken produktiv machen, das für die
zukünftige Entwicklung notwendig ist. Diese Krise, provoziert
durch die noch fehlende (politische) Struktur für die neuen
Prozesse, ist noch zu meistern - aber sicherlich nicht durch
eine Situation, in der das Sprechen (und somit das Denken) eingeschränkt
werden.
Und repräsentativ für das Sprachverhalten ist die
Vielsprachigkeit und eine mehr oder weniger allgemein verständliche
Sprache in der Europäischen Union. Die Vielsprachigkeit
beginnt bei der Benutzung der "eigenen" Sprache: Latein
und Griechisch haben einen nicht geringen Anteil an allen europäischen
Sprachen (freilich mit unterschiedlichen Gewichtungen). Das Englische
basiert seit Jahrhunderten auf Französisch. Der Wortschatz
des Deutschen bestand schon zu Beginn der Entdeckung der Sprachgeschichte
zu einem Großteil aus Wörtern, die nicht "germanisch"
waren. Französisch hat trotz einer "nationalen"
Sprachpolitik seit dem 17. Jahrhundert immer eine Vielzahl von
Wörtern aus anderen Sprachen aufgenommen
(selbst wenn versucht wird, anstatt eines Wortes wie FAX ein
Wort wie "télécopie" einzuführen(9), ist dies eben kein französisches Wort).
Aber auch die anderen Sprachen orientierten sich an den neuesten
Entdeckungen, Erkenntnissen, Technologien, anderen landwirtschaftlichen
Produkten usw. Das zeigt die Vielzahl der "deutschen"
Wörter im Russischen(10), die Bedeutung des Arabischen für Sprachen
nicht nur im mediterranen Raum(11) und selbst
von Sprachen wie Hindi in Europa(12).
Die Sprachen selbst sind also vielsprachig. Und erst recht
im Alltag wird eine Vielzahl von Sprachen verwendet (nicht nur
Soziolekten, sondern allgemein Alltagssprachen, die auf verschiedene
Spezialisierungen wie Automechanik, Pop-Musik, Computer, Moden
usw. verweisen).
Damit wird deutlich, daß der kulturelle Kontext nie
eindimensional ist. Er beinhaltet immer eine Vielzahl von Komponenten.
Damit entspricht die europäische Idee durchaus den gesellschaftlichen
Realitäten und könnte dazu übergehen, mehr (wie
sonst auch bei den Grundrechten) das Individuum in seiner Vielsprachigkeit
in den Mittelpunkt stellen.
Nur die "Löwen", die keine Könige mehr
sind, versuchen Sprachen als Ausrede zu verwenden, um gegen andere
zu hetzen, eine Situation des Zwanges und damit letztendlich
der Gewalt zu schaffen. Und tatsächlich wurde nicht nur
einmal ein "Esel" von der "gemütsvollen"
Masse zerrissen.
4. Transkulturelle Kommunikation
Bereits hervorgehoben wurde, daß sich neben den politischen
Institutionen und in Wechselwirkung mit ihnen aber auch neue
Prozesse entwickelten, die ein "freies Sprechen" durchaus
möglich machten. Und dieses "freie Sprechen" geht
weit über die Situation hinaus, die wir bei Kleist vorfinden:
die kulturelle Zuordnung. Man kann das Zitat und die Parodie
zum Essen und zum Denken präzisieren und sagt nicht "der
Franzose" (in der hier verwendeten Ausgabe
wird das Zitat Rabelais zugeordnet(13)). Das
wäre sicherlich ein Schritt. Doch zugleich wäre es
wichtig zu vermerken, daß das Essen sich pluralisiert hat.
Am Beginn des 19. Jahrhunderts in Deutschland ein derartiges
Zitat über das Essen in Frankreich zu verwenden (wobei noch
anzumerken wäre, daß die spezifischen Essenspraktiken
in "Gargantua und Pantagruel" noch ein eigenes Thema
wäre), bedeutet im Kontext des Alltags etwas völlig
anderes als heute im 21. Jahrhundert. Denn die Unterschiede im
Essen wurden noch im 20. Jahrhundert als nationale Propaganda
eingesetzt, was sich angesichts des Warenaustausches, der realen
Essenspraktiken, der Restaurants usw. heute nicht mehr so leicht
machen ließe.
Mein Beispiel zielt in eine ganz andere Richtung. Im März
2001 fanden in Seoul Veranstaltungen statt, die von Birgit Mersmann
organisiert wurden(14), die von ihrer Ausrichtung
über die "gemeinsamen" Fußballspiele Südkorea-Japan
hinausgehen, bei denen - trotz gemeinsamer Veranstaltungsorganisation
- gerade das Übertrumpfen keine sehr positive Rolle spielt.
Diese Veranstaltungen zur transkulturellen Germanistik von
Birgit Mersmann waren zwar in Deutsch (mit koreanischer Übersetzung),
arbeiteten aber als ein zentrales Element die Begegnungen als
neues Element einer "Weltkultur" (Michael Böhler
nach Goethe) heraus. Auch hier steht das Miteinander Sprechen
im Mittelpunkt, wie wir es für vielfältige andere Bereiche
immer wieder als produktiv ansehen können: in Südafrika,
in Indien.
"Transkulturell" ist daher kein "Zauberwort".
Es ist ein Begriff, der aus dem Miteinander Sprechen entstanden
ist (und insofern auch auf Synthesen verweist) und gerade im
Sprechen in Seoul eine weitere Konkretisierung erfahren hat.
5. Der Polylog
Im Lichte der Ausführungen zu diesen Prozessen möchte
ich nun auf den Begriff "Polylog" genauer eingehen.
Der Begriff "Polylog" ist eine neue Wortschöpfung
mit alten Wortelementen. Er wird - wie in der "Enzyklopädie
vielsprachiger Kulturwissenschaften" von Wimmer(15)
- aus dem Alltag heraus erklärt oder wie bei Bhatti(16) im Projekt "Internationale Kulturwissenschaften"
aus gegenwärtigen grenzüberschreitenden Kulturprozessen.
Wie Dialog beinhaltet er die Kommunikation mit mehreren (was
aufgrund der Kontexte aber nicht sprachhistorisch verstanden
wird; Dialog wird heute eher als ein "Zweiergespräch",
als eine Kommunikation zwischen zwei Gruppen
verstanden(17)). Abgesehen von diesem Nachteil
der kontextuellen Reduzierung beinhaltet das Wort "Dia"
aber sprachhistorisch auch ein Element des Überschreitens.
Doch dieses Verständnis von Dialog ist nur einer sehr kleinen
Gruppe zugänglich.
Aus diesem Grunde wurde der Neologismus "Polylog"
eingeführt. Per definitionem enthält er dieses überschreitende,
auf Synthese ausgerichtete Element, wie es auch anderen Wortelementen
mit der Verbindung "poly" zu entnehmen
ist: der Struktur von literarischen Texten (Bachtin)(18),
der Polyphonie als Musik(19),
dem Polyhistor(20) als synthetisch
(transdisziplinär) arbeitendem Wissenschafter. Hier ist
kontextuell gerade das in das allgemeine Verständnis gelangt,
was für die Begriffsbestimmung wichtig ist. Auch daher bietet
sich gerade der Begriff Polylog an, um neue Formen der Verständigung
darzustellen.
Der Polylog in diesem Sinne setzt die Gewaltfreiheit voraus.
Es schließt eine konstituierende Ungleichheit bzw. auch
eine Bedrohung durch innerstaatliche Mächte oder durch andere
Staaten aus. Denn im Schatten der Gewalt (bzw. erst recht bei
ihrem Zugriff) macht der Begriff "Polylog" keinen Sinn.
Daher könnte er aus diesem Grund auch auf die Texte von
Kleist nicht angewandt werden. Andere Elemente - wie das grenzüberschreitende
in einem weiten Sinne - sind zumindestens bilateral durchaus
auffindbar (aber eben nicht in einem transkulturellen, viele
Elemente umfassenden Sinne).
Polylog wäre aber im Sinne von Kleist auch eine Voraussetzung
dafür, um mit der Vielfalt produktiv umzugehen. Dieser Polylog
ist in den bereits existierenden Sprachen als strukturelles Element
und in vielfältigen gesellschaftlichen Prozessen aufzufinden.
Und das kann uns sicher machen, daß er nicht nur ein ephemerer
Neologismus ist, weil er etwas darstellt, was über lange
Zeit bereits existierte und eine heutige Notwendigkeit für
künftige Entwicklungen ist.
6. Abschlußüberlegungen
Die bisherigen Darstellungen dürften einige Argumente
dafür liefern, den Spracherwerb in Europa komplexer zu gestalten,
als dies heute vielfach der Fall ist. Wenngleich in heutigem
programmatischem Denken das "Fachwissen" bei Sprachausbildungen
zu dominieren beginnt und damit die Sprachen ärmer werden,
weil sie eindeutiger gemacht wurden und nur mehr partielle Zuordnungen
erfolgen, gibt es doch andere Gruppen, die verstärkt darauf
drängen, gerade den kulturellen Faktor als Zukunftsfaktor
stärker zu berücksichtigen. Und dies ist ohne Sprache
nicht möglich.
Aus diesem Verständnis heraus wird deutlich, daß
das Beispiel, das Canetti in "Masse und Macht" zur
Vermeidung der Stacheln und der Todesdrohungen einführt,
kein Randbeispiel.(21) Die Möglichkeiten
der kreativen Einbringung werden theoretisch größer,
denn die Wissensgesellschaft erfordert andere Arbeitsformen als
die "Stammesgesellschaften", aber auch die Industriegesellschaft.
Und dennoch wird aber ein wesentlicher Stachel verbleiben: der
der existentiellen Bedrohung, die die Bedeutung von Haben oder
Nicht-Haben als relevanten Faktor erkennen läßt. An
der Vorstellungsbildung relevant mitwirken zu können, ist
aber ein neuer Faktor.
Verbleibt die Frage nach dem "Esel" im Sinne von
Lafontaine. Nach den heutigen Erkenntnissen der Gehirnforschung
gibt es vielfältige Faktoren, die auf den Zustand einwirken,
den auch Kleist für das Denken als relevant erachtet hat:
den persönlichen Zustand. Etliches ist heute an Stoffen
bekannt, die helfen können, mit psychischen Erkrankungen
umzugehen und sie sogar zu heilen. Und es hat sich gezeigt, daß
hier das Gespräch im Sinne der Freudschen Therapie auch
ihre Grenzen hat. Der materielle Faktor ist also durchaus zu
berücksichtigen.
Diese Bedeutung von "Stoffen" kannten auch die Revolutionäre.
Nicht umsonst wird im Film "Panzerkreuzer Potemkin"
der Alkohol vernichtet, der nicht nur auf Individuen, sondern
auch auf Kollektive einwirken kann (nicht umsonst wird in nicht
wenigen Ländern das Ausschenken von Alkohol zur Wahl verboten).
Aber durch keinen dieser Stoffe, die vielfältig in den Texten
der Moderne beschrieben werden (außer Alkohol, Nikotin,
Tee, Kaffee auch Haschisch, Meskalin, LSD und eine Vielzahl von
anderen Drogen) kann eine Grenzüberschreitung im Denken
erreicht werden. Das Sehen, Denken, Fühlen ändert sich.
Aber es überschreitet keine menschliche Grenze. Deshalb
wird weder auf diese Weise noch durch biologische (Zucht-)Methoden
noch durch bahnbrechende Ergebnisse der Gehirnforschungen zu
diversen Stoffen der Mensch sich selbst überschreiten können.
Er wird quantitative Ergebnisse (zum Beispiel Gedächtnisleistung)
verbessern können. Er wird zu Heilungen beitragen können.
Aber er wird nicht den Menschen als Menschen in seiner Sozialität
aufheben können. Und daß der Mensch ein Mensch ist,
weil er für andere lebt, das ist eine Erkenntnis, die Peter
Horn in seinem Beitrag zum Kulturbegriff in afrikanischen Sprachen
beeindruckend dargestellt hat.(22)
Und gerade dies deckt sich durchaus auch mit den Erkenntnissen
zu Sprache und Denken im "modernen" Denken - seien
sie nun von Kleist, von Canetti, von Eco oder Forschern unterschiedlicher
Richtungen.
(1) Zitiert
nach folgender Textausgabe: Heinrich von Kleist: Werke und Briefe.
Berlin und Weimar 1978, Bd.3, S.453-59. Die Seitenzahlen in diesem
Beitrag beziehen sich auf diese Ausgabe.
(2)
Nicht anders heute: "Er [Kyrios Niketas] hatte noch nicht
begriffen, daß Baudolino selbst den springenden Punkt noch
nicht gefunden hatte und gerade deshalb erzählte, um ihn
zu finden." In: Umberto Eco: Baudolino. Aus dem Italienischen
von Burkhart Kroeber. Carl Hanser Verlag: München, Wien
2001, S.56.
(3)
Kleist, Werke und Briefe, Bd.3, S.453. Hier sitzt die Schwester
hinter Kleist.
(4)
Cultural Policies in the EU Member States. Education and Culture
Series. EDUC 107 EN 03-2001.
(5)
Kleist, Werke und Briefe, Bd.2, S.239ff.
(6)
Vgl. zum Beispiel Anil Bhatti: Zum Verhältnis von Sprache,
Übersetzung und Kolonialismus am Beispiel Indiens. In: Horst
Turk und Anil Bhatti (Hrsg.): Kulturelle Identität. Deutsch-indische
Kulturkontakte in Literatur, Religion und Politik. Erich Schmidt
Verlag: Berlin 1997, S.3ff.
(7)
Die Beiträge dazu wurden in TRANS, der Internet-Zeitschrift
für Kulturwissenschaften des INST, publiziert. Im WWW: http://www.inst.at/trans/11Nr/inhalt11.htm
Abfrage vom 3.6.2002.
(8)
Der Beitrag von David Simo im WWW: http://www.inst.at/ausstellung/enzy/kultur/ghomala_simo.htm
Abfrage vom 3.6.2002.
(9)
In "Le Petit Larousse Illustré" (Paris 2001)
kommt zwar das Wort FAX als Eintrag vor, nicht aber "télécopie".
Dieses Wort scheint nur als Erklärung für "FAX"
auf.
(10)
Vgl. dazu die Wörterbücher von Edmund Daum und Werner
Schenk: Deutsch-Russisch (Leipzig 1962) und Russisch-Deutsch
(Leipzig 1966).
(11)
Vgl. zum Beispiel: Nabil Osman (Hrsg.): Kleines Lexikon deutscher
Wörter arabischer Herkunft. Verlag C.H. Beck: München
1997.
(12)
Henry Yule and A.C. Burnell: Hobson-Jobson. The Anglo-Indian
Dictionary. A spice-box of etymological curiosities and colourful
expressions. Wordsworth: 1996. (First published 1886.)
(13)
Kleist, Werke und Briefe, Bd.3., S.723: "Zitat aus Rabelais'
Roman 'Gargantua und Pantagruel'".
(14)
Beiträge und Berichte dazu in: "Jura Soyfer. Internationale
Zeitschrift für Kulturwissenschaften", 10.Jg., Nr.
2/2001, Wien 2001.
(15)
Franz Martin Wimmers Beitrag im WWW: http://www.inst.at/ausstellung/enzy/polylog/wimmer.htm
Abfrage vom 3.6.2002.
(16)
Anil Bhattis Beitrag im WWW: http://www.inst.at/studies/l_04_d.htm Abfrage
vom 3.6.2002.
(17)
Im Wörterbuch "Altgriechisch im Alltag": "Zwiegespräch,
Gespräch". Sellner, Wiesbaden o.J., S.34. Dasselbe
in: Friedrich Wolff, Otto Wittstock: Latein und Griechisch im
deutschen Wortschatz. Lehn- und Fremdwörter. Wiesbaden 2001,
S.75.
(18)
Bachtin: "Die Vielfalt selbständiger und unvermischter
Stimmen und Bewußtseine, die echte Polyphonie vollwertiger
Stimmen ist tatsächlich die Haupteigenart der Romane Dostoevskijs.
In seinen Werken wird nicht eine Vielzahl von Charakteren und
Schicksalen in einer einheitlichen objektiven Welt im Lichte
eines einheitlichen Autorenbewußtseins entfaltet, sondern
eine Vielfalt gleichberechtigter Bewußtseine mit ihren
Welten...". In: Michail Bachtin: Probleme der Poetik Dostoevskijs.
Carl Hanser Verlag: München 1971, S.10.
(19)
Die Mehrstimmigkeit ("Polyphonie") ist in der Musik
sehr alt. Höhepunkte fallen zum Beispiel ins 14. Jahrhundert
(G. de Machaut). Auch im 20. Jahrhundert wird diese Form neu
entdeckt und bei Thomas Mann (Literatur), Claude Lévi-Strauss
(Mythos-Forschung) und in anderen Bereichen als ein Zentralelement
komplexer Entwicklung dargestellt.
(20)
Der Begriff "Polyhistor" ist eng mit dem des enzyklopädischen
(umfassenden) Wissens einer Zeit verbunden. Aristoteles galt
als Polyhistor oder später Leibniz.
(21)
Canetti: "Durch nichts wird ihre [der Machthaber - H.A.]
tiefinnerliche Ohnmacht furchtbarer bezeichnet. Sie töten
im Leben, sie töten im Tod, ein Gefolge von Getöteten
geleitet sie ins Jenseits. Wer aber Stendhal aufschlägt,
findet ihn selbst und alles wieder, das um ihn war, und er findet
es hier in diesem Leben. So bieten sich die Toten den Lebenden
als edelste Speise dar. Ihre Unsterblichkeit kommt den Lebenden
zugute: in dieser Umkehrung des Totenopfers fahren alle wohl.
Das Überleben hat seinen Stachel verloren, und das Reich
der Feindschaft ist zu Ende." In: Elias Canetti: Masse und
Macht. Fischer Verlag: Frankfurt am Main 1980, S. 311.
(22)
Der Beitrag Peter Horns im WWW: http://www.inst.at/ausstellung/enzy/kultur/bantu_horn.htm
Abfrage vom 3.6.2002.
POLYLOGE I - Wir brauchen eine
neue Synthese im Denken über Denken, Sprache und Kultur
POLYLOGUES I - Towards a New Synthesis in Thinking about Thinking,
Language and Culture |